Anpassungsantrag bei Kontopfändung und gleichzeitiger Lohnpfändung

Oft ist es so, dass sich der Gläubiger versucht abzusichern und viel Geld zu erhalten, indem er eine Doppelpfändung veranlasst.

Was bedeutet das?

Bei einer Doppelpfändung handelt es sich um die gleichzeitige Pfändung von Lohn und Konto. Dadurch kann es passieren, dass der Schuldner nur noch die unpfändbaren Bezüge seines Gehalts auf dem Konto erhält, jedoch vom Konto nochmal ein Betrag an den Gläubiger abgeführt wird, da dieser auch pfändbar ist. Nutzen Sie den kostenlosen Pfändungsrechner um herauszufinden ob ein Anpassungsantrag für Sie sinnvoll sein kann.

Was kann man als Schuldner dagegen tun?

Nach der gängigen Rechtsprechung ist es heutzutage nicht mehr erlaubt, dass ein Schuldner zwei Pfändungen gleichzeitig laufen hat, bei denen auch zeitgleich Beträge abgeführt werden. Daher kann der Schuldner bei dem zuständigen Vollstreckungsgericht einen Anpassungsantrag stellen.

Was genau ist ein Anpassungsantrag?

Bei dem Anpassungsantrag wird durch Eigenantrag (das bedeutet, dass man diesen Antrag selber schriftlich stellen kann) bei dem zuständigen Vollstreckungsgericht der Schutz des Kontos beantragt. Das bedeutet, dass das Konto in Höhe der monatlichen Auszahlungen des Arbeitgebers freigegeben werden kann, solange es sich um die unpfändbaren Bezüge handelt.

Beispiel: Herr Müller erhält ein monatliches Nettoeinkommen von 1.763,50 EUR. Damit wäre vom Lohn ein Betrag in Höhe von 406,99 EUR pfändbar. Die Firma K. pfändet gleichzeitig das Gehalt sowie das Konto von Herrn Müller. Somit erhält die Firma K. vom Lohn einen Betrag in Höhe von 406,99 EUR. Dadurch, dass Herr Müller alleinstehend ist und keine Kinder hat, steht ihm bei einem P-Konto ein Betrag in Höhe von 1.178,59 EUR zu. Vom Arbeitgeber erhält er jetzt aber den unpfändbaren Betrag von seinem Lohn in Höhe von 1.356,51 EUR. Sollte Herr Müller keinen Anpassungsantrag bei Gericht stellen, so würden von der Bank nochmal 177,92 EUR an den Gläubiger abgeführt werden. Dies kann aber von Herrn Müller verhindert werden, indem er einen Anpassungsantrag stellt. Damit werden nur die 406,99 EUR vom Gehalt an den Gläubiger überwiesen und der Freibetrag auf dem Konto wird auf 1.356,51 EUR angehoben, da es sich um den unpfändbaren Betrag vom Lohn handelt.

Was muss in dem Anpassungsantrag stehen?

  • Bankname sowie IBAN des Kontos, auf welches das Gehalt überwiesen wird
  • Name und Anschrift des Arbeitgebers
  • Begründung, warum das Konto freigegeben werden soll

Es ist zu beachten, dass die Lohnbescheinigung beigefügt werden muss, auf der die Pfändung des Gläubigers ersichtlich ist.

Warum kommt es zu Doppelpfändungen?

Es kann zu einer Doppelpfändung durch den gleichen Gläubiger kommen, weil der sich absichern und so viel Geld wie möglich erhalten will. Andererseits kann es aber auch passieren, dass zwei verschiedene Gläubiger eine Pfändung veranlassen und einer das Gehalt und der andere das Konto pfändet. Auch im ersten Jahr des Verbraucherinsolvenzverfahrens „pfändet“ der Insolvenzantrag das Gehalt sowie das Konto, um einen hohen Betrag zu erzielen. Hier wird dringend angeraten, einen Anpassungsantrag zu stellen, um einen Teil des Geldes zu schützen.

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